Transregional Collaborative Research Center SFB-TR 84 - “Innate Immunity of the Lung: Mechanisms of Pathogen Attack and Host Defence in Pneumonia“

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Public Press

Forscher heben Immunblockade gegen Bakterien auf

Neuer therapeutischer Ansatz bei Lungenentzündung

Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, die Immunreaktion bei einer schwerwiegenden viralen und gleichzeitig bakteriellen Infektion positiv zu beeinflussen. Anhand eines Modells an menschlichem Lungengewebe konnten sie zeigen, dass die Immunantwort auf eine Virusinfektion die Bekämpfung einer parallelen Infektion mit Bakterien verhindert. Um die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems zu korrigieren, haben die Forscher einen pharmakologischen Ansatz erfolgreich getestet. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin European Respiratory Journal* erschienen.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Hocke und Prof. Dr. Stefan Hippenstiel entwickelten in diesem Rahmen Forscherteams an der Charité ein Modell an menschlichem Lungengewebe, mit dessen Hilfe wesentliche Merkmale einer Lungenentzündung simuliert werden können. idw-online, 13.07.2017

Pionier der Glykowissenschaften: Peter Seeberger erhält Stifterverbandspreis 2017

Synthetische Zucker sind unter anderem Bestandteil neuartiger Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten wie multiresistente Krankenhauskeime, wie Staphylococcus aureus oder Klebsiella pneumoniae. Die schnelle und verlässliche Herstellung von Zuckern war die Idee von Peter H. Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam. Seeberger ist ein Pionier der Glykowissenschaften, dem Forschungsgebiet, das die Rolle von Zuckermolekülen untersucht.

Einer der Forschungsschwerpunkte von Peter Seeberger sind die langen und komplexen Zuckermoleküle, die sogenannten Glykane, die sich auf der Oberfläche aller Körperzellen befinden. Diese Zucker haben für die Lebensabläufe in den Organismen entscheidende Bedeutung – im Guten wie im Schlechten, da beispielsweise auch krank machende Bakterien mit ihrer Hilfe an Köperzellen andocken können.

Gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft zeichnet der Stifterverband Seeberger nun mit dem Wissenschaftspreis 2017 aus. 21.06.2017, mehr Informationen unter https://www.mpg.de/11341601/peter-seeberger-erhaelt-stifterverbandspreis-2017

Ein süßer Impfstoff gegen Lungenentzündung

Für eine Impfung gegen einen besonders gefährlichen Erreger der Lungenentzündung braucht es möglicherweise nicht viel. Denn ein Molekül aus drei aneinandergereihten Zuckern könnte ausreichen, um vor der Infektion mit hochvirulenten und antibiotikaresistenten Pneumokokken zu schützen. Der Dreifachzucker stimuliert das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen das Bakterium Streptococcus pneumoniae vom Serotyp 8, kurz ST8, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam durch Tests im Tiermodell nachwiesen. Ihre Arbeit zeigt zudem, wie sich künftig maßgeschneiderte Impfstoffe einer neuen Generation entwickeln lassen. ...

Die Forscher des Potsdamer Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung kombinierten jetzt eine Reihe von Experimenten, um die für den Impfschutz relevanten Oberflächenmoleküle des Pneumokokken-Bakteriums ST8 zu identifizieren. Das Bakterium kann gefährliche Lungen- und Hirnhautentzündungen verursachen und ist oft gegen gängige Antibiotika resistent. „Die Herstellung konventioneller Impfstoffe gegen ST8 ist schwierig“ erklärt Max-Planck-Direktor Peter Seeberger, „weshalb die Entwicklung eines synthetischen Impfstoffs einen enormen medizinischen Fortschritt bedeuten würde.“ idw-online, 09.03.2017, www.mpg.de

Bakterien vermehren sich in Fresszellen.

Lungenforscher decken die Strategien der Legionellen beim Kampf gegen menschliches Immunsystem auf.

Bei der Bekämpfung der Lungenentzündungen haben Marburger Lungenforscher herausgefunden, wie Legionellen – bakterielle Erreger der Legionärskrankheit – das Immunsystem überlisten.

Die Krankheitserreger vermehren sich besonders gut in den Fresszellen des Immunsystems, wenn sie Transportbläschen (Vesikel) als Vorhut eingesetzt haben. Die Vesikel enthalten unter anderem eine große Anzahl von krankmachenden Stoffen und haben nach Darstellung von Professor Schmeck „unterschiedliche Tricks“ auf Lager, wobei die Bakterien über 250 molekulare Werkzeuge oder Gifte verwenden. Und so funktioniert das Kapern der Fresszellen durch die Vesikel: Die Vesikel kommen zunächst mit uninfizierten Fresszellen in Kontakt und verändern deren entzündliche Reaktionen so, dass sich im nächsten Schritt die stäbchenförmigen Bakterien (Legionellen) besser in der Wirtszelle vermehren können. „Sie sind also eine Art trojanisches Pferd“, erläutert die Marburger Humanbiologie- Doktorandin Anna Lena Jung, die als Erstautorin der Studie für die wissenschaftlichen Ergebnisse mit verantwortlich zeichnet (siehe Artikel unten).

Forscher stellen andock-Prozess im Labor nach

Marburger Lungenforscher wurden durch transregionalen Sonderforschungsbereich finanziell gefördert.

Im Labor wurde mit menschlichen Zellen und Mauszellen gearbeitet. Nachgestellt wurde dabei die Situation, dass Vesikel (Transportbläschen der Legionellen) an Fresszellen an docken und von diesen aufgenommen werden. Dann war den Forschern wichtig, herauszubekommen, was dabei passiert. Anhand von drei verschiedenen Dosismengen der Vesikel wurde anschließend überprüft, ob die Legionellen (bakterielle Erreger der Legionärskrankheit) sich in den Fresszellen nach 24 oder 48 Stunden besser oder schlechter vermehren. Oberhessische Presse, 29. April 2016

 

Kleines Molekül mit großer Wirkung
Charité-Wissenschaftler identifizieren molekulare Grundlagen der Lungendurchblutung

Die Durchblutung der Lunge wird durch einen komplexen Mechanismus reguliert: Dieser lenkt den Blutfluss von unzureichend zu besser belüfteten Bereichen der Lunge, so dass der Gasaustausch und die Sauerstoffaufnahme optimiert werden. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt entscheidende molekulare Vorgänge identifiziert, die diesem Mechanismus zugrunde liegen. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences* veröffentlicht.

Weiter unter Charité-Pressemitteilung  18.03.2015

Die unterschätzte Gefahr

In einem Sonderforschungsbereich arbeiten Wissenschaftler an Antworten zu bisher ungelösten Fragen bei Lungenentzündungen

740 000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr außerhalb eines Krankenhauses an einer Lungenentzündung. Etwa ein Drittel von ihnen so schwer, dass sie stationär behandelt werden müssen. Trotzdem überleben zwölf Prozent die Infektion nicht. „Damit nimmt die Pneumonie einen ähnlich schweren Verlauf wie Herzinfarkt und Schlaganfall“, sagt Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität und Humboldt-Universität.

Warum ist die Sterblichkeit trotz des medizinischen Fortschritts so hoch – und was kann man dagegen tun? Das untersuchen Wissenschaftler im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereiches (SFB) Transregio 84. „Angeborene Immunität der Lunge“ heißt der SFB, der gerade in die zweite Förderrunde geht.

Weiter unter Tagesspiegel, 14.02.2015

Hoffnung, wenn Antibiotika nicht mehr helfen

Phagen sind Viren, die selbst Killerkeime erledigen. Sie sind stets hochspezialisiert und könnten in der Medizin überall dort eine Alternative bieten, wo Antibiotika versagen - vor allem im Kampf gegen Krankenhauskeime.

Es klingt überraschend: Ausgerechnet Viren sollen heilen, wo Antibiotika nicht mehr helfen? Die Allzweckwaffe gegen bakterielle Infektionen versagt immer häufiger. Gegen sogenannte Krankenhauskeime sind sogar Kombinationen mehrerer Antibiotika machtlos....

Enzymtests an der Charité

Einen alternativen Weg, der womöglich eher Aussichten auf eine Zulassung hat, gehen Wissenschaftler der Berliner Charité: Sie nutzen ausschließlich das Enzym, mit dem die Phagen die Bakterienzelle „sprengen“. Es lässt sich isolieren und biotechnologisch herstellen. Martin Witzenrath, Oberarzt an der Klinik für Infektiologie und Pneumologie, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Jan-Moritz Doehn haben ein solches Präparat bereits Mäusen mit einer Pneumokokken-Infektion der Lunge verabreicht – es funktionierte ebensogut wie Penicillin, ohne Nebenwirkungen. Berliner Zeitung, 07.04.2014

Medikamentöse Prophylaxe der Pneumonie - Wo geht die Reise hin?

Die Pneumonie zählt zu den am häufigsten bedrohlichen Erkrankungen weltweit. Die Inzidenz der Pneumonie wird durch akute und chronische Vorerkrankungen und Behandlungsstrategien zusätzlich erhöht, die zur Beeinträchtigung der Immunabwehr führen und dadurch die mikrobielle Besiedelung der Atemwege und Infektionen der Lunge fördern. Innovative Ansätze für Präventionsmaßnahmen sind notwendig, sagt Dr. Katrin Reppe, Berlin.

Eine vielversprechende präventive Strategie ist die gezielte Stimulation der unspezifischen Immunität in der Lunge mit dem Ziel, die lokale Immunantwort bei nachfolgendem Pathogenkontakt zu optimieren. Weiter unter

55. DGP-Kongress 2014, Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag KG

Neue Erkenntnisse über gefährliches MERS-Virus

Das neuartige MERS-Coronavirus (MERS-CoV) führt zu einer massiven Infektion menschlichen Lungengewebes, die in ihrem Ausmaß weit über eine Infektion mit dem gefährlichen H5N1-Influenzavirus hinausgeht. Dies fand jetzt ein deutsches Wissenschaftlerteam unter Koordination von Forschern der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Robert-Koch-Institutes in explantiertem menschlichen Lungengewebe heraus. Der Einsatz einer speziellen mikroskopischen Technik ermöglicht eine Darstellung der Infektion, des Rezeptors für die Viren und des verursachten Schadens in der Lunge. Die Ergebnisse wurden heute in der Fachzeitschrift American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine* veröffentlicht.

Weiter unter Charité-Presse, 02.10.2013, Tagesspiegel, 04.10.2013

Die Lungenentzündung - Neues zu einer Volkskrankheit

Die Pneumonie ist eine Volkskrankheit mit hohem „medical need“. Ca. 700.000 Patienten erkranken jährlich in Deutschland an einer ambulant erworbenen Pneumonie (community acquired pneumonia / CAP). Daraus resultieren 240.000 Krankenhausaufnahmen pro Jahr. Damit ist CAP von ihrer Häufigkeit der Behandlung im Krankenhaus in der gleichen Liga wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Weitere ca. 100.000 Fälle pro Jahr treten in Form einer im Krankenhaus erworbenen Pneumonie oder in Form einer am Beatmungsgerät erworbenen Pneumonie auf.

Die Krankenhausletalität der CAP beträgt 14 % (1,3). Bei 2-3 % dieser Patienten wird keine maximale Therapie durchgeführt, da die CAP als „old man´s friend“ betrachtet wird. Insgesamt kommen pro Jahr ca. siebenmal mehr Patienten durch CAP zu Tode als durch Verkehrsunfälle. Darüber hinaus erweist UNICEF darauf, dass die Pneumonie mehr Kinder bis zum 5. Lebensjahr weltweit zu Tode bringt als HIV/AIDS, Malaria und Masern zusammen.

Vortrag vor AdW in Erfurt, 05.06.2013

Neues zur Pneumonieforschung

Die Pneumonie zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Ihr ist auf der DGP-Tagung vom 20. - 23. März 2013 ein Symposium der Sektion Infektiologie und Tuberkulose sowie der Sektion Zellbiologie gewidmet. Hier sollen neue Aspekte aus der Klinik zusammen mit den Highlights der Herbsttagung der beiden Sektionen vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden.

Dem Beitrag des Immunsystems kommt für das Überleben der Patienten die größte Bedeutung zu. Daher ist das Verständnis der angeborenen (pulmonalen) Immunität wesentlich für die Entwicklung innovativer Therapiestrategien bei der Pneumonie.

Arbeiten der deutschen Pneumologie aus dem Jahr 2012 leisteten hier wichtige Beiträge. Die ausgewählten Arbeiten illustrieren, dass Arbeitsgruppen aus der DGP im Jahr 2012 inhaltlich wegweisende und methodisch innovative Arbeiten zur Grundlagenforschung an der Volkskrankheit Pneumonie beitrugen.

Weiter unter Pneumologische Nachrichten der DGP 2013 (Quelle: Biermann Verlag GmbH)

Make-up ohne Mäuse

Irgendwann war Andreas Hocke es leid, dass Mäuse für seine Arbeit sterben sollten. Fortan widmete sich der Forscher von der Berliner Charité der Frage, mit welchen anderen Methoden er Lungenentzündungen erforschen könnte. Der Mediziner Hocke hat sich freiwillig für Alternativen zu Tierversuchen entschlossen.  
Dass es manchmal auch ohne Tierversuche geht, zeigt die Arbeit von Andreas Hocke an der Charité. Dort brütet Hocke über dem Thema Lungenentzündung. „Wir wollen die Schlüsselstellen im Immunsystem während der Entzündung verstehen“, sagt er. Normalerweise werden für solche Fragen Mäuse verwendet. Hocke nutzt eine Kombination aus mikroskopischen Bildern und molekularen Analysen von menschlichem Material. Er gewinnt es aus Geweberesten, die etwa bei Operationen anfallen.

Weiter unter Süddeutsche Zeitung, Wissen 11.03.2013; S.16.

Zu viel des Guten: Antibiotika und Resistenzen

Weil Ärzte ihren Patienten eine übermäßige Menge an Antibiotika verschreiben, entwickeln immer mehr Erreger Resistenzen. Vielleicht können schon bald gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden. Eine Berliner Konferenz sucht nach Lösungen.
Zurzeit ist es ein Coronavirus, vor zwei Jahren war es die Schweinegrippe, zuvor Sars und die Vogelgrippe: Immer wieder versetzen neuartige Infektionskrankheiten Forscher und Patienten in Sorge. Mediziner entdecken weltweit pro Jahr ein bis zwei durch Bakterien, Pilze oder Viren ausgelöste neue Infektionskrankheitsbilder. Manchmal sind neue Erreger die Ursache, manchmal tauchen aber auch „Altbekannte“ plötzlich in Regionen auf, in denen sie zuvor unbekannt waren. Wie 2010 das Westnil-Fieber in Griechenland oder 2007 das Chikungunya-Fieber in Italien.
Die Ursachen für den Vormarsch der Infektionskrankheiten sind hauptsächlich menschengemacht: Klimawandel, die Bedingungen in der Tierhaltung sowie die gesteigerte Mobilität.

So hatte die „Lungenseuche“ Sars, die 2002/2003 rund 1000 Menschen das Leben kostete, wahrscheinlich ihren Ursprung in der chinesischen Provinz Guangdong, wo sie durch den Verzehr von wild lebenden Tieren auf den Menschen übertragen wurde. Auf Weltreise ging das Virus dann, als ein infizierter Medizinprofessor im Februar 2003 einen Flieger nach Hongkong bestieg und dabei mehrere Geschäftsreisende ansteckte.

Hoffnung bei der Entdeckung neuer Erreger machen sich Forscher durch innovative molekulare diagnostische Plattformen. „Dank sogenannter Microarrays und DNA-Sequenzierungen wird man in wenigen Jahren eine Vielzahl neuer Erreger identifizieren können“, erklärte Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité, jüngst auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Berlin. Viel verspricht er sich auch davon, mit neuartigen Therapiekonzepten Zellen des Wirtes und nicht der Erreger zu adressieren.

Weiter unter http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/zu-viel-des-guten/7869774.html

Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch – Bedrohen uns neue Keime oder brauchen wir neue Therapiekonzepte für „alte“ Erreger?

Jedes Jahr wurden bisher in der Medizin ein bis zwei neue Infektionskrankheitsbilder bekannt und das macht die Infektionsmedizin so spannend (siehe zum Beispiel Legionärskrankheit in den USA in den 70er Jahren oder SARS im Jahre 2002/2003). Neue Infektionsbilder in der Medizin bedeuten nicht automatisch neue Erreger. Es sei an Helicobacter pylori erinnert, ein uralter Erreger, den man erst Ende des letzten Jahrtausends als verantwortlich für Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüren identifiziert hat.
Zu dem Thema „neue Erreger“ gehört auch die Beobachtung, dass alte, gut bekannte Pathogene in Regionen der Welt auftreten, in denen sie bisher nicht vertreten waren. So kam es in den letzten Jahren zu autochthonen Krankheitsausbrüchen durch Viren, die bisher selten oder nicht in Europa vorkamen, zum Beispiel 2007 Chikungunya-Fieber in Italien, 2010 Westnil-Fieber in Griechenland. Bei einigen Viren wurde eine weitere Ausbreitung von Virus und Vektor in Europa beobachtet, zum Beispiel für das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber (Türkei, Kosovo). Hantavirusinfektionen sind in Deutschland bekannt, in letzter Zeit ist es jedoch zu einer erheblichen Fallzahlsteigerung gekommen. Das Phänomen der alten Erreger in neuen Regionen wird vielfach mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht.
Wirklich neue Keime im Sinne von zuvor nicht dagewesenen Pathogenen sind vor allen Dingen von Bedeutung im Hinblick auf Influenza-Viren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bei der Vogelgrippe (H1N5) zum ersten Mal im Jahre 2004 beschrieben. Erinnert sei auch an die H1N1- Pandemie durch das Schweinegrippe-Virus im Jahre 2009/2010.
Aktuell wird mit großem Interesse die weitere Entwicklung einer Erkrankung mit einem neuen Coronavirus aus dem arabischem Raum verfolgt. Dieses neue Coronavirus verursacht ein Lungenversagen. Innovative molekulare diagnostische Plattformen unter Einsatz von microarrays und DNASequenzierung werden in wenigen Jahren eine Vielzahl neuer Erreger identifizieren. Eine entsprechende Einordnung der neuen Erkenntnisse im Hinblick auf Bedeutung/Rückwirkungen auf die Humanmedizin muss dann entsprechend erfolgen. Auch die zweite Frage nach der Notwendigkeit neuer Therapiekonzepte für alte Erreger muss klar bejaht werden.

Weiter unter http://www.dgim.de/portals/pdf,

http://www.aerzteverlag-media.de/de/mediadaten-medizin/spectator-congress

Influenzaviren beschäftigen die Wissenschaft nach 2500 Jahren noch heute

Bereits Hippokrates hat sie vor fast 2500 Jahren beschrieben, aus dem Mittelalter sind ganze Seuchenzüge bekannt, und nach dem Ersten Weltkrieg im Winter 1918/19 fielen ihr rund 20 Millionen Menschen weltweit zum Opfer: Die Influenza, die Krankheit mit dem etwas veraltet klingenden Namen, kann auch heute wieder zuschlagen: „Neue Pandemien sind jederzeit möglich“, schrieb der Virologe Prof. Christoph Scholtissek im Jahr 1992 in seinem Artikel im „Spiegel der Forschung“ unter der Überschrift „Die Influenza – Thema mit Variationen“. Warum es der Wissenschaft und der Medizin trotz jährlicher „Grippe-Impfungen“ so schwer fällt, diese Virus-Erkrankung wirklich in den Griff zu bekommen, das erfährt man aus dem hier dokumentierten Artikel.


Auch heute wird an der Universität Gießen weiter intensiv an Influenzaviren geforscht. Schließlich bewies der Ausbruch der „Schweinegrippe“ im Jahr 2009, dass die Gefahr von Epidemien oder gar Pandemien keineswegs gebannt ist. Der Virologe Prof. Stephan Pleschka kann auf eine lange und erfolgreiche Tradition der Gießener Influenza-Forschung zurückblicken. Wie weit heute die Influenza-Forschung reicht und was alles eng mit ihr verknüpft ist – bis hin zur direkten Verbindung zu Medikamenten der Krebsbehandlung oder zur aktuellen Lungenforschung, das schildert der Gießener Virologe unter dem Titel „Die Influenza – Ein Thema mit Variationen neu betrachtet“.

Weiter unter Spiegel der Forschung Nr. 2/2013, Justus-Liebig-Universität Gießen

Neue Emmy Noether Nachwuchsgruppe an der Charité

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Dr. Leif Erik Sander, Arbeitsgruppenleiter und Arzt an der Medizinischen Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, als Nachwuchsgruppenleiter im Emmy-Noether-Programm. Ziel der Nachwuchsgruppe ist es, neue Behandlungsansätze bei Lungenentzündungen zu finden.

Lungenentzündungen sind auch 70 Jahre nach Einführung von Antibiotika eine der weltweit führenden Todesursachen. Das vermehrte Auftreten multiresistenter Erreger sowie die hohe Sterblichkeit trotz geeigneter Therapien erfordert die Entwicklung neuer Behandlungskonzepte. Die Emmy Noether Nachwuchsgruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, durch die Erforschung der Immunreaktionen der Lunge neue Konzepte zu entwickeln.

Leif Erik Sander wurde bereits mit dem Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin für eine Arbeit ausgezeichnet, in der er nachweisen konnte, dass Immunzellen die Lebendigkeit von Bakterien, und damit indirekt deren Infektiosität erkennen können. Erkennt das Immunsystem lebende, und damit infektiöse Bakterien, so löst es robustere Immunantworten und eine gesteigerte Antikörperbildung aus.
Diesen Mechanismus will die Gruppe gezielt nutzen um Immuntherapien für Lungenentzündungen zu entwickeln. Neben solchen Formen angeborener Immunität wird sich die Nachwuchsgruppe jedoch auch damit befassen, wie die erworbene Immunität bei Lungenerkrankungen nachhaltiger erforscht und verbessert werden kann. 

Weiter unter http://idw-online.de/de/news?print=1&id=509987

Chance auf ein besseres Überleben

Mehr als 70 Jahre ist es her, dass die britischen Mediziner Mary Evans und Wilfrid Gaisford einen Durchbruch erzielten. Sie belegten, dass das Antibiotikum Sulfapyridin gegen bestimmte Lungenentzündungen wirksam ist. Nur acht Prozent der Patienten, die das Mittel bekommen hatten, starben an dem Leiden, aber 27 Prozent der Kranken, denen ein Scheinpräparat verabreicht wurde.

Auch heute stirbt an einer schweren Lungenentzündung noch jeder Zehnte. Aber wer heute dem Leiden erliegt, ist deutlich älter und vor allem viel schwerer krank. Für einige von ihnen ist der oft relativ sanfte Tod durch eine Lungenentzündung, dem „Freund des alten Menschen“, zudem eine Erlösung. „Es gibt natürlich Verbesserungen in der Therapie, und mit der Beatmung steht uns eine Möglichkeit zur Verfügung, die es 1938 noch nicht gab“, urteilt Norbert Suttorp, Infektionsexperte an der Charité. Suttorp ist mit diesen Fortschritten allerdings nicht zufrieden. „Die Patienten, die wir nicht retten können, sterben, obwohl sie rechtzeitig das eigentlich passende Antibiotikum bekommen haben.“
Weiter unter http://www.tagesspiegel.de/wissen/medizin-chance-auf-ein-besseres-ueberleben/7184952.html

Resistente Bakterien - Der Menschheit gehen die Antibiotika aus

Der Menschheit gehen die Antibiotika aus. Die Folge: Patienten leiden länger und sterben häufiger. Bessere Hygiene kann helfen, aber verhindern lassen sich Resistenzen kaum...


„Wir bewegen uns zurück in eine Zeit, in der es keine wirksamen Antibiotika gibt“, sagt auch Stefan Kaufmann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie. Der Albtraum wird längst Realität - und die Gefahr kommt aus einer anderen Richtung, als lange gedacht...


Hat ein Patient sich mit so einem Keim angesteckt, können Ärzte häufig nur noch auf Antibiotika wie Colistin ausweichen, die wegen ihrer Nebenwirkungem eigentlich seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt werden. „Jetzt ist die Not groß genug“, sagt der Infektiologe Norbert Suttorp von der Charité. Weil die Medikamente bisher kaum eingesetzt wurden, sei die Dosierung aber häufig ein Problem. „Da stochern wir manchmal mit der Stange im Nebel“, sagt Suttorp. „Ich bin kein Alarmist, aber da muss jetzt verdammt viel passieren, sonst möchte ich nicht wissen, wo wir in 20 Jahren sind“, sagt er.
Weiter unter http://www.tagesspiegel.de/wissen/resistente-bakterien-mit-leeren-haenden/6757834.html

Volkskrankheit Lungenentzündung noch häufig tödlich

Bereits im Jahr 1938 untersuchten die englischen Wissenschaftler Mary Evans und Wilfrid Gaisford in einer plazebo-kontrollierten Studie die Wirksamkeit einer Antibiotikatherapie zur Behandlung von Lungenentzündungen. Wie die Forscher feststellten, starben ohne Antibiotika 27 Prozent der Patienten, mit Antibiotika waren es acht Prozent. „Seit 70 Jahren hat sich an den Zahlen kaum etwas verändert“, erklärt im Vorfeld des 118. Internistenkongresses Professor Dr. med. Norbert Suttorp aus Berlin. „Auch heute sterben circa zehn Prozent der im Krankenhaus behandelten Patienten trotz rechtzeitiger und treffender Antibiotikagabe, wir brauchen deshalb dringend moderne therapeutische Ansätze als Ergänzung zur Antibiotikatherapie“, fordert der Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Weiter unter http://www.dgim2012.de/de/Pressemeldungen.htm

Immunsystem unterscheidet zwischen lebendigen und toten Bakterien

Auf lebende Krankheitserreger reagiert der Körper mit Abwehr, tote dagegen ignoriert er und lässt sie von Fresszellen beseitigen. Wie das Immunsystem die Lebenszeichen von Bakterien – die sogenannte Viabilität – erkennt, zeigte der Nachwuchsforscher Dr. med. Leif Erik Sander aus Berlin in mehreren Experimenten. Bislang ging die Forschung davon aus, dass das Immunsystem Krankheitserreger vor allem nach Virulenzfaktoren beurteilt. Dazu gehören sämtliche Stoffwechselprodukte, mit deren Hilfe Bakterien in einen Organismus eindringen, sich dort ausbreiten und ihn schädigen. In seinen Experimenten konnte der 34-jährige Sander zunächst zeigen, dass das Immunsystem in der Lage ist, die Viabilität unabhängig von den Virulenzfaktoren zu erkennen. Das bedeutet: Die körpereigene Abwehr bekämpft auch harmlose Bakterien, solange sie Lebenszeichen von sich geben. DGIM, April 2012

weiter unter www.dgim2012.de/de/Pressemeldungen.htm

Neue adjunktive Therapiestrategien bei der Pneumonie

Auch heute noch versterben etwa 10 % aller hospitalisierten Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie – das ist ein ähnliches Verhältnis, wie bereits in einer Studie aus dem Jahr 1938 dokumentiert wurde. Haben wir also in den letzten gut 70 Jahren nichts erreicht? Nicht viel, meint Prof. Norbert Suttorp, Berlin. Es gibt Hinweise, dass die Immunregulation in der Lunge Besonderheiten hat und sich von anderen Körperkompartimenten unterscheidet. Darauf aufbauend sind durchaus innovative adjunktive Therapieansätze, die über eine Antibiotikagabe hinausgehen denkbar. Diese gilt es im Detail zu erforschen – angefangen von der Analyse antimikrobieller Peptide aus dem Lungenepithel bis hin zu der Korrektur einer bestehenden Störung der Gefäßpermeabilität in der Lungenstrombahn.

Weiter unter Current congress, 2012,4, Georg Thieme Verlag KG

Neubelebte Gewebekultur - Modell des Lungengewebes (Andreas Hocke)

Schon in den 60er und 70er Jahren kultivierten Wissenschaftler humanes Lungengewebe und setzten es ein, um zum Beispiel antibiotische Substanzen zu testen oder toxikologische Versuche durchzuführen. Heute scheint die Lungengewebekultur aus der Mode geraten zu sein. Das ist bedauerlich, denn sie ist nicht nur für die oben erwähnten Versuche zu gebrauchen sondern eignet sich auch zur Untersuchung der Pathogen-Wirt-Interaktion sowie zur Analyse zugrundeliegender molekularer Signalwege. Ganz nebenbei lassen sich mit ihr Tierversuche reduzieren, deren Einsatz viele Lebenswissenschafter vor ethische und inhaltliche Probleme stellt.

Meine Arbeitsgruppe ander Charité in Berlin hat diese früheren Arbeiten aufgegriffen und ein Modell der humanen Lungengewebekultur etabliert, das als Ausgangspunkt für ein breites Spektrum analytischer Verfahren dient. Unser Gewebemodell soll helfen grundlegende Fragen zum pathophysiologischen Verständnis der Lungenentzündung (Pneumonie) im Menschen zu beantworten. Drängende Fragen sind zum Beispiel: Wie dringen Pathogene in das Lungengewebe ein? Welche Rezeptoren sind auf den Zielzellen für die Erkennung von Pathogenbestandteilen vorhanden? Welche Art der entzündlichen Aktivierung findet in den Zielzellen statt? Welche Signalwege werden unterdrückt? Welches Schicksal erleiden infizierte Zellen und welche möglichen Folgen hat dies für den alveolären Lungenschaden?
weiter unter Laborjournal 2011; 11